E-Paper - 19. Oktober 2012
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Krötensage updated

RORSCHACH Die einzige überlieferte Sage wurde mit Kindern neu in Szene gesetzt

Im Rahmen des «Ferienspass»-Angebots der Schulgemeinden wirkten 16 Mädchen im Alter von sechs bis zwölf Jahren bei der Aufführung der «Krötensaga updated» mit. Die Stadt Rorschach stand bei dem im Ex-Exlibris stationierten Projekt als Bühne und Handlungsort im Mittelpunkt.

«Kröten, die am Tag ruhig in einem Teiche beisammen sitzen, treiben nachts als Unholdinnen ihr Unwesen. Sie erzeugen Donner und Blitz, Sturm und Regen und richten Verheerungen an. Die heilige Patronin des Ortes kann sie zurücktreiben und so ihre Flur beschützen.» So steht es im Sagenbuch von Jakob Kuoni von 1903. Schatzsucher Richard Lehner veröffentlichte die Krötensaga auf dem Schatzsucherblog. Für Theaterpädagogin Beatrice Mock und Schatzsucherin Barbara Camenzind bot Kuonis knapp gehaltener Geschichtenstoff genug Potenzial, um bühnenwirksam zu sein.

Kinder gestalten Handlung mit

Update-Neufassung darunter verstanden die beiden Frauen, die in ihren Herkunftsberufen mit Theologie und Musikdramatik zu tun hatten, kindgerechte, frische Erzählstränge, ohne zu viel ins Detail zu gehen. Die Rorschacher Kröten von heute erscheinen einem Kind im Traum, treiben Schabernack in der Stadt, stehlen dem Jakobsbrunnen-Glöckner den Klöppel, räumen dem Musikalienhändler den Laden, fressen die Migros leer und das nur, um mal wieder ordentlich zu feiern. Wie die Rorschacher Bevölkerung auf diese amphibischen Frechdachsigkeiten reagieren soll, überliess Beatrice Mock ihren jungen Akteurinnen und Akteuren, sowie Barbara Camenzind es den musikalisch auftretenden Kröten überliess, wie schön-schräg die Krötenmusik zu klingen hatte.

Theater ist mehr als eine Aufführung

Mit 16 Mädchen in unterschiedlichen Altersgruppen an vier Nachmittagen ein aufführungstaugliches Stück «heranzuproben», war eine kleine Herausforderung und ein Lernfeld für alle Beteiligten. Beatrice Mock beschreibt das so: «Die Kinder durften anfangs Woche ihre Rolle auswählen und vom Namen und Text bis zum Kostüm selber gestalten. Dies erforderte von der Leitung einige Flexibilität und Fantasie, führte aber zu verblüffenden Resultaten. So mussten etwa bei der Rollenverteilung einige Kinder eine Rolle übernehmen, welche sie nicht gewünscht hatten: Das frustet, würde man meinen. Alle Teilnehmerinnen hatten jedoch sofort originelle Ideen für Kostümierung, Text und Charakter der Theaterfigur, sie identifizierten sich mit der Figur und der anfängliche Unmut war vergessen.

Der Streit als Würze

Eine weitere Herausforderung für die Leitung war die Gruppendynamik. Es kann schon mal vorkommen, dass sich einige Kinder nicht vertragen. So herrschten am Montag zwischen zwei Teilnehmerinnen Konkurrenz und giftige Kommentare vor. Wir trennten die beiden daraufhin möglichst voneinander, so dass sie sich im Theaterstück nicht ins Gehege kamen. Zur Überraschung aller improvisierten die beiden am Mittwochnachmittag eine Feierabendszene unter Teenies, wie man sie sich gar nicht besser wünschen kann. Mag sein, dass der Streit vom Montag so etwas wie die Würze war, welche den Dialog der Theaterfiguren so lebendig machte. Oder sie wollten der Leitung beweisen, dass sie auch anders konnten.»

In der Stadt, für die Stadt

Für Schatzsucherin Barbara Camenzind war die «Krötensaga updated» die Möglichkeit, Rorschach für einmal ganz konkret als «Stadt als Bühne» zu verwenden. Ihre Musikantenkröten probten an den Originalschauplätzen auf dem Jakobsbrunnen und bei der Akkordeonwerkstatt Untersee. Unterstützt wurden sie dabei von einem Soundfile des Rorschacher Komponisten Georg Neufeld. Für die Mädchen war es eine lustvolle und spannende Erfahrung, sich mitten in der Stadt in schleichende, brunnenkletternde Kröten zu verwandeln von Passanten amüsiert beobachtet. Leider konnte die Aufführung nicht wie geplant an den Originalschauplätzen gespielt werden: Das Wetter war zu schlecht. Die Vorstellung im Exexlibris hat dem Publikum trotzdem gefallen. Und nebst dem Lob für die Leistungen der jungen Schauspielerinnen war zu hören: «Schön, endlich ein kleines Rorschach-Theater».

Barbara Camenzind

Bodensee Nachrichten vom Freitag, 19. Oktober 2012, Seite 20 (513 Views)

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