E-Paper - 05. September 2014
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ben eine Präsentation beim Sportamt gemacht und das Potenzial aufgezeigt. Dabei haben wir die Entwicklung der Gesellschaft und weitere Folgen veranschaulicht, wie die Möglichkeit, mit Street Workout der faulen und übergewichtigen Gesellschaft entgegenzuwirken. Nur ein halbes Jahr später stand dann auch schon die Anlage», erinnert sich Roman Rindisbacher, einer der Initiatoren.

Dies waren wohl auch die ausschlaggebenden Gründe für die Errichtung der Street Workout-Anlage auf dem Sportplatz Kellen in Goldach im Juni 2013.

Erster Kontakt in St. Gallen

Es war ebenfalls in St. Gallen, wo Alessandra Costanzo aus Rorschacherberg zum ersten Mal auf Street Workout gestossen ist. «Eine Kollegin hat mich mitgenommen, als der Park in St. Gallen eröffnet wurde. Sie sagte damals, es gäbe dort eine Anlage, auf der man im Freien trainieren könne», berichtet Costanzo und fährt fort: «Ich habe dann ziemlich schnell bemerkt, dass mir Street Workout im Vergleich zum herkömmlichen Training in Fitnessstudios besser gefällt». Ihrer Meinung nach seien die Übungen nicht so monoton wie an den Geräten im Fitnesscenter, ausserdem würden beim Street Workout auch immer gleich mehrere Muskeln oder Muskelgruppen beansprucht. Hinzu komme, dass man im Freien trainiere und das meistens mit mehreren Gleichgesinnten zusammen, sodass man in einer Art Gemeinschaft trainiere.

Schon immer sportbegeistert

Spätestens als im Juni 2013 die Street Workout-Anlage in Goldach, nur unweit von Costanzos Wohnort in Rorschacherberg, fertiggestellt wurde, war ihre Leidenschaft nicht mehr zu bremsen.

Diese Leidenschaft ist in gewisser Weise aber nicht ganz neu, wie die 36-jährige zugibt: «Ich habe schon immer gerne Sport gemacht. Ganz früher war ich im klassischen Ballett, was aktuell für gewisse Übungen und vor allem für meine Haltung vorteilhaft ist. Danach habe ich dann eine Weile Volleyball gespielt, bis ich angefangen habe, im Fitnessstudio zu trainieren. Von dort bin ich dann schliesslich zum Street Workout gekommen», erzählt Costanzo.

Übung macht den Meister

Dass Costanzo Street Workout leidenschaftlich betreibt, sieht man ihr gleich an. Die 36-jährige Mutter scheint kein Gramm Fett an ihrem Körper zu haben. Vielmehr besitzt Costanzo einen grösseren Bizeps als viele Männer und einen Sixpack, bei dem die Männer neidisch werden könnten.

Doch von nichts kommt nichts und so trainiert die Hobbysportlerin auch so gut wie jeden Tag. «Man darf beim Trainieren nicht vergessen, Pausen zu machen, vor allem wenn man hart trainiert. Ich habe aber von Haus aus den Drang mich zu bewegen, so mache ich eigentlich jeden Tag Sport. Wenn ich mich jedoch beim Street Workout sehr verausgabt habe, gehe ich am nächsten Tag eben mal ins Fitnessstudio und trainiere meine Beine mein Oberkörper ist ja ohnehin schon sehr gut trainiert», meint Costanzo.

Disziplinierte Ernährung

Das Training ist nur die eine Seite der Medaille, die andere ist die passende Ernährung. Laut Costanzo ist diese unausweichlich, um noch «stronger» und definierter zu werden, wie sie sagt. Aus diesem Grund hat sie, was manch einen verwundern wird, ihren Fleischkonsum drastisch reduziert: «Ich habe mich über die negativen Folgen eines übermässigen Verzehrs von tierischen Produkten informiert. Wenn ich sehe, wie eine Wurst gemacht wird, dann vergeht es mir», sagt Costanzo und fährt fort: «ab und zu kann ich jedoch nicht widerstehen und mache mir einen Pouletsalat oder letzte Woche gab es zum Beispiel Raclette». Eier oder Milch sucht man in ihrem Haushalt aber vergebens. Anstatt der tierischen Milch verwendet die ambitionierte Hobbysportlerin Reismilch.

Auch ihren Alkoholkonsum hat Costanzo sehr reduziert, um leistungsfähiger und vor allem «fitter» zu werden. So gönnt sie sich zu ihrem kulinarischen Leckerbissen, dem Pouletsalat, zwar mal ein Glas Wein, aber mehr dann auch nicht. «Mittlerweile schreckt mich ein Kater richtig ab. Früher bin ich schon auf Partys gegangen, aber jetzt bin ich 36 Jahre alt und habe eine vier Jahre alte Tochter, daher vermisse ich das überhaupt nicht. Ich habe jetzt eben andere Prioritäten und freue mich auf die Weltmeisterschaft», so Costanzo.

Weltmeisterschaft

Am Samstag, den 20. September, wird in Amsterdam zum ersten Mal eine Frauen-Weltmeisterschaft im Street Workout veranstaltet. Bisher wurden 2011, 2012 und 2013 lediglich drei Weltmeisterschaften der Herren durchgeführt. Bei den Frauen werden Athletinnen aus insgesamt 15 verschiedenen Ländern nach Amsterdam reisen.

Costanzo möchte dabei die Schweiz so gut, wie sie kann, vertreten: «Ich würde mich riesig freuen, wenn ich einen Podestplatz erreichen würde. Als Rorschacherberglerin und als eingebürgerte Schweizerin würde es mich mit Stolz erfüllen und glücklich machen, etwas zurückzugeben zu können», so Costanzo.

Speziell für die Weltmeisterschaft trainiert sie aber dennoch nicht, denn sie trainiere ja ohnehin schon jeden Tag. «Das Wichtige ist jetzt, dass ich mich vor dem Wettkampf nicht mehr verletze. Ansonsten mache ich für die WM mit meinem Training und meiner Ernährung einfach so weiter oder versuche sogar, noch ein bisschen disziplinierter zu sein», sagt Costanzo.

Street Workout als Lebenseinstellung

Angesichts des enormen Zeit- und Energieaufwands den Costanzo in das Street Workout steckt, verwundert es wenig, dass sie nicht nur von einem Hobby spricht. Für sie ist es vielmehr eine Lebenseinstellung oder «Lifestyle», wie sie sagt.

So verwundert es auch nicht, dass sie sich selbstständig gemacht hat und ihre eigene Modemarke «BARSISTA» für Sportbekleidung vertreibt. Dennoch ist sie aktuell noch auf der Suche nach einer 50-Prozent-Stelle. «Es würde mich riesig freuen, nebenbei einem geregelten Beruf im Büro nachzugehen und von daheim aus meine eigene Sportbekleidung zu vertreiben», schwärmt Costanzo. Im September konzentriere sie sich jedoch noch voll und ganz auf die WM.

Aber auch danach gehen ihr die Ziele nicht aus: «Es gibt noch sehr viele Tricks, die ich noch nicht kann. Den Handstand an der Stange, die Humanflag und den Front- und den Backleaver möchte ich lernen, es gibt also noch viel zu tun», freut sich WM-Teilnehmerin. Wer sich selbst ein Bild vom Street Workout machen will, findet zahlreiche Videos und Informationen auf Youtube, so auch Videos der St. Galler Street Workout-Gemeinschaft: http://www.youtube.com/user/StreetWorkoutCom.

Friedrich Gregor

Bodensee Nachrichten vom Freitag, 5. September 2014, Seite 3 (115 Views)

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