E-Paper - 17. November 2016
Bodensee Nachrichten
E-Paper - Auswahl
E-Paper - Ansicht
 
 

Vogelgrippe? Kennen wir schon!

Von Benjamin Gahlinger

Die Vogelgrippe, auch bekannt als H5N8-Virus, wurde bei toten Wildvögeln am Bodensee entdeckt. In der Landwirtschaft sorgt das Wiederaufkommen der Tierseuche jedoch nicht für Unruhe: Man habe aus den vergangenen Epidemien gelernt, sagt Ruedi Daepp vom Arboner Landwirtschaftsbetrieb Agro-Daepp.

Arbon Die Vogelgrippe hat den Bodensee erreicht. Seit letzter Woche häufen sich die Meldungen über Wildvögel, bei denen das H5N8-Virus entdeckt wurde. Der Kanton Thurgau hat als erste Reaktion darauf ein Kontrollgebiet entlang des Bodenseeufers eingerichtet, welches sich über einen Kilometer ins Landesinnere erstreckt. Innerhalb dieses Zone, so verlangt das kantonale Veterinäramt, müssen die Futterstellen von Nutzgeflügel für Wildvögel unzulänglich sein, ausserdem müsse Wassergeflügel von Hühnern getrennt gehalten werden. Damit soll verhindert werden, dass das H5N8-Virus von den Wildvögeln auf das Nutzgeflügel übertragen wird. Der Landwirtschaftsbetrieb von Ruedi Daepp in Arbon findet sich auf der Grenze des vom Kanton ausgerufenen Kontrollgebietes. «Für mich ändert sich nicht viel, da wir den Hühnerstall bereits beim letzten Ausbruch der Vogelgrippe dementsprechend umgerüstet haben», erklärt Daepp. Seine rund 350 Hühner haben neben dem Stall Zugang zu einem überdachten Wintergarten, der mit einem Gitter abgegrenzt ist. «Durch das Dach fällt die mögliche Kontamination durch überfliegende Wildvögel weg und durch das Gitter kommen nicht einmal Spatzen den Hühnern nahe», sagt er.

«Jetzt weiss man, was Sache ist»

Im Vergleich zu den Vogelgrippe-Fällen der vergangenen Jahre sei die Stimmung aktuell sachlicher, sagt Daepp. Und er muss es wissen: Als stellvertretender Ackerbaustellenleiter der Stadt Arbon musste er bei der ersten Vogelgrippe-Epidemie gemeinsam mit Paul Stäheli aus Frasnacht alle Geflügelbestände auch die privaten der Stadt Arbon aufnehmen. «Vorher hatte man gar keinen Überblick, wie viele Hühner überhaupt in der Umgebung gehalten werden. Jetzt weiss man wie viele es sind und vor allem wo», sagt Daepp. Diese Arbeit komme dem Veterinäramt nun entgegen. Denn sollte es erneut zu einer Epidemie kommen, könne man die Seuche besser und schneller lokalisieren. Dass die Diskussionen rund um die Vogelgrippe aktuell sachlicher ablaufen, führt Daepp auch darauf zurück, dass man mehr über die Seuche weiss: «Jetzt weiss man, was Sache ist. Beim ersten Ausbruch war eine gewisse Unsicherheit dabei, die Leute haben sich vor dem Virus gefürchtet», sagt er. Wegen des aktuellen Ausbruchs hat der Arboner keine Bedenken. «Das Virus ist nur über infizierte Vögel auf anderes Geflügel übertragbar. Auch Fälle, bei welchen Menschen über den Konsum von Geflügelfleisch oder Eier infiziert wurden, gäbe es keine. «Gefährdet sind effektiv nur die Wildvögel und Geflügel und letztere werden durch die Massnahmen des Veterinäramts geschützt», so Daepp.

Der Wunsch nach Vertrauen

Zumindest bei seiner Stammkundschaft im Hofladen sei die Vogelgrippe noch kein grosses Thema. Anders war dies vor einigen Jahren, als das Thema in den Medien äusserst präsent war. «Umsatzeinbussen musste ich aber damals keine hinnehmen im Gegenteil», sagt er. Viele hätten wegen den Vogelgrippefällen vermehrt auf Eier aus der Region zurückgegriffen. «Die Menschen suchten wohl wegen der Unsicherheit in Sachen Geflügel die Vertrauensbasis eines regionalen Produzenten», meint Daepp. Einen Konsumententipp zur neu aufgekommenen Vogelgrippe-Debatte gibt der Arboner trotzdem ab: Man soll seine Eier oder sein Pouletfleisch bei seriösen Produzenten beziehen. Dazu zählt er sowohl die vielen kleinen Hofläden der Region, aber auch die Grossverteiler.

Bodensee Nachrichten vom Donnerstag, 17. November 2016, Seite 1 (77 Views)

ZURÜCK ZUR SEITE

 
 

<   November   >
Mo Di Mi Do Fr Sa So
  1 2 3 4 5 6
7 8 9 10 11 12 13
14 15 16 17 18 19 20
21 22 23 24 25 26 27
28 29 30