E-Paper - 26. Oktober 2017
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Geschichte

Die Politische Gemeinde Thal

Die Politische Gemeinde Thal wird durch den Buchberg in die fünf Rhoden unterteilt: Dorf Thal, Buriet, Buechen, Staad und Altenrhein. Die Rhoden haben alle ihre eigene Geschichte als früherer Wohnsitz von Edelleuten, Industriestätte oder Fischerdorf.

Thal ist ein traditionsreiches Rebbauerndorf. Es liegt, wie sein Name es andeutet, in einer wettergeschützten Mulde zwischen dem Appenzeller Vorderland und dem Buechberg mit seinen Rebhängen. Einen ausgezeichneten Überblick über die ganze Gemeinde bietet der «Steinige Tisch» auf dem Kamm des Buechbergs. Ein vorzüglicher Landwein, der Buechberger, wächst an den Sonnenhängen unter dem felsigen Grat. Deshalb grüsst der Stempel des Postamts Thal mit dem Signet «Dorf der Rebe» und der Kulisse des Weinberges. Die ältesten Fundamente der Thaler Pfarrkirche weisen zurück bis in das 7. Jahrhundert, die Zeit von Kolumban und Gallus. In einer Urkunde des Jahres 1163 finden wir zum ersten Mal den Namen der Gemeinde. Vom Mittelalter bis zum politisch-sozialen Umschwung nach der Französischen Revolution sassen Bürger aus den Städten St. Gallen, Konstanz und Lindau in Landhäusern und Schlössern unserer Gegend. Als Bauherren von Wohnsitzen und Torkeln (Weintrotten) wetteiferten sie mit Edelleuten aus eidgenössischen und süddeutschen Landen, die einen Teil des Jahres auf ihren Thaler Höfen verbrachten. Bis 1498 waren Burg und Städtchen Rheineck ein Teil des Reichhofs Thal. Heiden, Wolfhalden und Lutzenberg, die Hofleute vom Berg, sonderten sich im Appenzeller Krieg zu Beginn des 15. Jahrhunderts vom politischen Verband des Hofes Thal ab und wurden 1429 endgültig von ihm losgelöst.

Staad

Staad, einst ein kleines Fischerdorf am See, war in guten alten Zeit ein beliebtes Ausflugsziel. Staad war aber auch Umschlag- und Verladeort für die weithin bekannten Sandsteinbrüche von Buechen, in denen zur Hautsache Platten zu Bauzwecken und zu Mühlsteinen gebrochen wurden. Hier wurden die Platten und Bruchsteinblöcke auf Bahn oder Schiff verladen oder aber von den verschiedenen Steinhauerfirmen behauen. Dabei waren vor allem die grossen und kleinen Mühlsteine sehr gefragt. Dieser grosse Verkehr mit Sandstein formte fast das ganze Dorf, und das Strassenbild wurde von den vielen Steinfuhrwerken belebt, die zwei- oder dreispännig die Steine an die Verladerampe am Bahnhof und an die Schifflände brachten. Einen Hafen hatte Staad damals noch nicht, die Lastschiffe legten direkt am Ufer an und wurden mit Schubkarren beladen. Auch die Glockengiesserei von Jakob Egger machte Staad damals weitherum bekannt, denn viele Geläute in der Schweiz wurden hier gegossen. Die fertigen Glocken wurden im zugehörigen eisernen Glockenstuhl montiert, worauf ein Probeläuten folgte. Die also fertiggestellten und geprüften Geläute wurden auf geschmückten Fuhrwerken an ihren Bestimmungsort überführt, was oft und gerne Anlass zu einem kleinen Dorffest war. Doch dann, kurz nach 1900 wurde der Kunststein erfunden, was für das betriebsame Staad eine schwere Krise auslöste. Der Kunststein kam immer mehr auf, und die Nachfrage nach dem schönen blauen Sandstein ging zurück und ruinierte die Sandstein-Industrie. Einer der Steinhauermeister stellte sich sofort auf den Kunststein ein und gründete die Firma Kunststein AG Staad. Später wurde die Mosterei Staad gebaut, und immer mehr Industrieunternehmen nutzten die günstige Verkehrslage und siedelten sich hier an. Der Staader Hafen wurde zum Umschlagplatz für Kies und Sand, das von Deutschland per Schiff eingeführt wird. In den letzten Jahren wurde der Hafen zu einem kleinen Seepark ausgebaut und lädt zur Ruhe und Erholung ein. Den Einwohnern stehen im Ortsteil «Speck» einladende, öffentliche Badeanlagen am See zur Verfügung. Wie früher ist Staad immer noch bekannt für seine Gasthöfe, die kulinarische Spezialitäten, Tanz und Unterhaltung und eine ansehnliche Zahl an Gastbetten anbieten.

Altenrhein

Altenrhein führt im Reigen der Dörfer der Gemeinde Thal ein ausgeprägtes Eigenleben. Diese Eigenständigkeit ist sowohl auf die besondere Lage im Delta der Rheinmündung am Bodensee, als auch auf die Geschichte zurückzuführen. Während das übrige Gemeindegebiet Untertanenland der 8 alten Orte der Eidgenossenschaft war, gehörte Altenrhein bis zur Gründung des Kantons dem Kloster St. Gallen. Als «Rinisgemünde» ist Altenrhein im Jahre 834 erstmals urkundlich erwähnt. Die Bezeichnung weist auf die Lage der Siedlung zwischen den damaligen beiden Rheinläufen in den Bodensee hin. Die Bezeichnung «Vornächtigen Rin» für Altenrhein tauchte 1402 zum erstemal auf. Es war da nach und nach ein Dörflein entstanden, das als sog. Klosterhof mit seiner ganzen Umgebung der Abtei St. Gallen zustand. Für die Landwirtschaft war die Lage zwischen zwei heimtückischen Flussläufen nicht sehr einträglich. Alljährlich traten die Fluten über die Ufer und setzten das Land mit wilder Zerstörungswut unter Wasser. In den Jahren 1739 und 1817 musste das Dorf zweimal vollständig geräumt werden. Die Hochwassergefahr war erst mit dem unteren Rheindurchstich und der geraden Einleitung des Rheinlaufes in den Bodensee im Jahre 1893 gebannt. Lohnenden Erwerb fanden die Einwohner von Altenrhein auf dem Bodensee. Dass die Fischerei schon sehr früh bestimmend für die Geschicke des Dorfes war, sagt ein Name aus dem Jahre 1291, der einen Flecken zwischen Altenrhein und Rheineck als «Fischershausen» bezeichnete. Neben Fischern waren in unserem Dorfe vor allem Schiffsleute und Kieser zu Hause. Mit der Gründung des Kantons St. Gallen, im Jahre 1803, kam Altenrhein zur politischen Gemeinde Thal, blieb jedoch eine selbstständige Ortsgemeinde. Aus der Zeit um 1900 stammt die Tradition der «Zwetschgenkilbi», die jährlich am ersten Septemberwochenende anlässlich des Kirchweihfestes zu Ehren der heiligen Schutzengel stattfindet. Wirtschaftlich erlebte Altenrhein mit dem Bau der Dornierwerke in den zwanziger Jahren den grossen Aufschwung. Seit neuerer Zeit sind verschiedene Industriezweige ortsansässig: Waggonbau, Flugzeugbau sowie regionale Abwasserreinigungsanlage. Altenrhein ist heute wohl das letzte echte Fischerdorf am oberen Bodensee. Unser Naturschutzgebiet war schon seit jeher ein wahres Paradies für Wanderer, Erholungssuchende, Maler und Fotografen. Altenrhein hat eine besondere Bedeutung als Naherholungsgebiet der Region. Die vielen Möglichkeiten für alle Wassersportarten besonders Segeln und Surfen und die zwei Campingplätze bringen Gäste aus aller Welt nach Altenrhein. Unsere Restaurants bieten das ganze Jahr Fischspezialitäten an.

Quelle: www.thal.ch

Bodensee Nachrichten vom Donnerstag, 26. Oktober 2017, Seite 2 (64 Views)

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