E-Paper - 07. Februar 2019
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Selbstbestimmt trotz Beeinträchtigung

Von Astrid Nakhostin

Am vergangenen Freitag fand im Forum Würth die Rorschacher Fachtagung «Für Menschen mit Beeinträchtigung und für 'Sozial-Profis'» statt. Das Thema interessiert: Knapp 300 TeilnehmerInnen besuchten den Anlass so viele wie noch nie zuvor.

Rorschach Stephanie Würzer steht vor dem Carmen Würth Saal und ermahnt freundlich die anwesenden Fachtagungs-TeilnehmerInnen, nach der Pause doch bitte wieder ihre Plätze im Vortragssaal einzunehmen. Die junge, beeinträchtigte Frau ist aus der Nähe von Zürich angereist nimmt zum ersten Mal an der Fachtagung teil, an deren Organisation sie auch aktiv beteiligt war.

Interesse so gross wie noch nie

Knapp 300 TeilnehmerInnen aus der ganzen deutschsprachigen Schweiz und dem benachbarten Ausland sind zu der Veranstaltung nach Rorschach gekommen - meist VertreterInnen von Bildungsstätten, Stiftungen oder Sozialämtern, aber auch viele Einzelbetroffene. Bei den Referaten ging es um Themen wie «individuelle Gerechtigkeit» oder «Sozialhelden für mehr Inklusions-Aktivismus».

Organisiert von Menschen mit Beeinträchtigung

Seit zwei Jahren wird die Tagung vom Verein «mensch-zuerst schweiz» organisiert. Dort ist Würzer eines von insgesamt acht Vorstandsmitgliedern. Gemeinsam mit den anderen setzt sie sich dafür ein, dass Menschen mit Beeinträchtigung selbstbestimmt durchs Leben gehen, dass für sie Arbeitsplätze geschaffen werden und soziale Berührungsängste abgebaut werden. Gegründet wurde der Verein vor fünf Jahren auf Initiative von Gunter Tschofen und Mathilde Bischof in Rorschach. Zu den weiteren Anliegen des Vereins gehört auch die Weiterbildung, die mit verschiedenen Angeboten wie «Selbstvertreter» oder «Peer Beratung ÜberprüferInnen» geördert werden.

Soziale Kontakte knüpfen zu «Normalen» sind wichtig

Das Programm «Peer» hat zum Ziel, dass Betroffene ihre speziellen Fähigkeiten an andere weitergeben. Vorstandsmitglied Würzer wirkt bei diesem speziellen Angebot mit und gibt ihre persönlichen Fähigkeiten gerne an andere Betroffene weiter. Eine davon ist ihre Neugierde und Kommunikationsbereitschaft. Auf die Frage, wie sie denn diese Fähigkeiten konkret weiter vermittelt, antwortet sie: «Zum Beispiel, indem ich einen rollstuhlfahrenden Kollegen einfach in eine Menschenmenge hineinstosse und ihn ermutige, die Herumstehenden anzusprechen». So, wie sie es vergangenen Freitag gemacht hat, wenn sie die anderen TagungsteilnehmerInnen angesprochen und sie sanft an das Pausenende erinnert hat.

Bodensee Nachrichten vom Donnerstag, 7. Februar 2019, Seite 18 (14 Views)

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