E-Paper - 14. Februar 2019
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Möglicher Kantonsrat für Gemeinde Wolfhalden zeigt sich liberal

Die Gemeinde Wolfhalden hat ein Recht auf zwei Sitze im Kantonsrat. Der eine muss am 17. März wieder belegt werden. Die Suche nach einem Kandidaten zeigte sich schwierig. Martin Ruppanner hat sich nach längerer Bedenkzeit nun aber zur Wahl um das Amt gestellt. Mit den «Bodensee Nachrichten» sprach er über seine Beweggründe.

Nach mehrmaligem Aufruf der Gemeinde, sich als Kantonsrats-Kandidat auflisten zu lassen, hat sich niemand gemeldet. Auch Sie nicht. Ist ein Amt in der kommunalen Politik so unbeliebt?

Martin Ruppanner: Das glaube ich eigentlich nicht. Es hat auf jeden Fall seinen Reiz, direkt Einfluss nehmen zu können auf die Angelegenheiten, welche die eigene Gemeinde oder den Kanton betreffen. Da ein solches Amt aber recht zeitaufwendig ist, muss es sich mit dem Beruf und der Familie vereinbaren lassen.

Dann, nach einiger Bedenkzeit und wahrscheinlich auch im Wissen, der einzige Kandidat zu sein, haben Sie sich für das Amt zu Wahl gestellt. Was waren Ihre Beweggründe?

Als sich niemand meldete, machte ich mir Gedanken darüber. Könnte ich das? Will ich das? Nach einigen Gesprächen mit der Familie, mit meiner Chefin sowie im Bekanntenkreis, habe ich mich entschlossen, mich zur Verfügung zu stellen. Das Wohl meiner Wohngemeinde sowie des Kantons liegt mir sehr am Herzen, da ich mich in Wolfhalden ausgesprochen wohl fühle. Auch wollte ich verhindern, dass ein Kantonsratssitz vakant bleibt. Trotz fehlender Gegenkandidatur haben die Wählerinnen und Wähler nun wenigstens die Möglichkeit, sich für oder gegen meine Person zu entscheiden.

Wieso haben Sie sich erst nach einiger Zeit um das Amt zur Verfügung gestellt?

Es ist schon lange her, dass ich an einer Gemeindeversammlung teilnahm. Auch meine aktive Feuerwehrzeit ist schon länger vorbei, sodass ich in meiner Gemeinde nicht mehr sehr spürbar war. Auch hoffte ich, eine Frau möge sich zur Verfügung stellen. Als ich dann in der Zeitung las, dass niemand sein Interesse für das Amt des Kantonsrats bekundete, habe ich mir Gedanken gemacht. Aktiv an den massgebenden Gesetzesvorlagen mitzuarbeiten statt nur die Faust im Sack zu machen übt einen gewissen Reiz auf mich aus. Zudem bin ich mit meinen 50 Jahren reich gesegnet mit Lebenserfahrung und bereit dazu, etwas Neues anzupacken.

Sie sind als parteilos aufgelistet. Wie stehen Sie im Allgemeinen zur Politik?

Ich bin froh und stolz, in einem Land zu leben, wo die Meinungsfreiheit einen hohen Stellenwert geniesst. Durch die direkte Demokratie ist es allen Bürgerinnen und Bürgern möglich, direkten Einfluss auf das politische Geschehen zu nehmen. In unserem Land mahlen die Mühlen wohl etwas langsamer, dafür «verhebt» es dann umso besser, wenn einmal ein gesunder Kompromiss gefunden wurde.

Können Sie sich vorstellen, sofern Sie den Sitz einnehmen können, sich einer Partei oder Fraktion im Kantonsrat anzuschliessen?

Bei uns im Vorderland haben parteiunabhänige Kandidaten Tradition. Da es einige Parteiunabhängige im Kantonsrat gibt, kann ich mir gut vorstellen, mich dieser Fraktion anzuschliessen.

Der Gemeindepräsident Pauletti sagte: «Mit Ruppanner haben wir einen sehr guten Kandidaten!» Was ist ihre politische Erfahrung bislang?

Als Lehrer wird man fast ständig mit neuen Gesetzen und Verordnungen konfrontiert. Zudem habe ich einige Jahre in einem Motivationssemester mitgearbeitet, wo stellenlose Jugendliche unterstützt werden, eine für sie geeignete Lehrstelle zu finden. Ansonsten beschränkt sich meine politische Erfahrung auf die Erkenntnisse, die ich mir als eifriger Zeitungsleser angeeignet habe.

Welche politischen Standpunkte vertreten Sie?

Meine Grundhaltung ist liberal: Nur das gesetzlich regeln, was unbedingt sein muss. Ich vertraue ein Stück weit auf den gesunden Menschenverstand. Der Staat sollte überlegen, was er für den Menschen machen kann und nicht umgekehrt. Zudem setze ich mich dafür ein, die nach wie vor guten Rahmenbedingungen in der Schweiz zu erhalten und unsere persönlichen Freiheiten nicht zu stark einzuschränken.

Werden Sie einen Wahlkampf betreiben, obwohl es schon fast sicher ist, dass Sie den Sitz einnehmen werden?

Einen eigentlichen Wahlkampf betreibe ich nicht. Ich werde mich bei den Lesegesellschaften und in den Parteien persönlich vorstellen, wenn ich eingeladen werde.

Interview: Marino Walser

Bodensee Nachrichten vom Donnerstag, 14. Februar 2019, Seite 4 (16 Views)

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