E-Paper - 10. Oktober 2019
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Andere schaffen Zukunft Rorschach mehr Verkehr

2016 bin ich aus dem Kanton ZH nach Rorschach gezogen trotz massiv höherem Steuerfuss. Aber ich sah ein hohes Entwicklungspotential in dieser Stadt am See. Im Kanton Zürich wurden und werden alte Industriezonen von grösseren und kleineren Städten in Wohn- und Gewerbezonen umgewandelt und der Verkehr weitgehend beruhigt mittels Fussgängerzonen. Es gibt jetzt nur noch wenige oder sehr teure Parkmöglichkeiten in den Stadtzentren, dafür mehr ÖV und Velowege. Dort macht heute das Kleingewerbe weit mehr Umsatz als früher und der Wohnraum hat eine massive Wertsteigerung erhalten. Genauso könnte das auch hier in Rorschach geschehen, eine Stadt mit Zukunft, dachte ich.

Aber nein: Hier will man einen Autobahnanschluss über einen 19-spurigen Monsterkreisel in der Landwirtschaftszone mitten ins Herz der Stadt hinein führen (für 315 Mio Fr, bekanntlich mit weiterer Luft nach oben von 20-30%). Da sich Strassenverkehr wie Wasser verhält, ist massiver Mehrverkehr vorprogrammiert. Die Wohnqualität wird sinken.

Verkehrsinfarkte in Gross- und Kleinstädten sind heute ein weltweites Problem. Schon längst hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass man dieses Problem nicht mehr nur mit mehr Strassen lösen kann, sondern es braucht vor allem neue Verkehrskonzepte. Dank intelligent vernetzten Systemen von ÖV und Privatverkehr werden wir in Zukunft weitaus effizienter von A nach B kommen als heute. Eine höhere Auslastung der Fahrzeuge wird den Gesamtverkehr massiv verringern. Das sind keine fantastischen Utopien mehr, solche Konzepte sind bereits jetzt in der Anlauf- und Erprobungsphase.

Dass in Rorschach vielversprechende alternative Lösungen (zb. die Auswirkung von Bahnunterführungen) nicht einmal ansatzweise untersucht wurden, legt den Verdacht nahe, dass mit diesem Monsterprojekt ein paar wenige Leute viel Geld verdienen wollen auf Kosten der Umwelt und der steuerzahlenden Mehrheit.

Wie will denn die Stadt Rorschach neue Steuerzahler anlocken? So bestimmt nicht! Diese werden an attraktivere Wohnlagen ziehen und Hausbesitzer werden hier eine massive Werteinbusse erfahren. Unsere zukünftigen Generationen werden sich für dieses völlig überrissene Projekt niemals bedanken, denn in Zukunft werden wir wohl noch sehr viel Geld brauchen, um den Klimawandel und dessen Folgen zu bekämpfen.

Martin Brenner, Rorschach

Bodensee Nachrichten vom Donnerstag, 10. Oktober 2019, Seite 10 (5 Views)

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